Malta als Metapher, WAZ, Bochum, 2010

Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, Bochum, 20. Nov. 2010

über die Ausstellung 'Malta als Metapher' von Myriam Thyes im Kunstverein Bochumer Kulturrat, Nov. 2010 - Jan. 2011


Malta wird zur Metapher für die 'Festung Europa'

Ausstellung im Kulturrat zeigt beeindruckende Fotografien und Videoinstallation der Schweizer Künstlerin Myriam Thyes

Lara Kirfel

Großporträts einer vom Bauboom befallenen Mittelmeerinsel, so könnte man auf den ersten Blick meinen. Bis dem Betrachter eine Marienfigur ins Auge springt, die scheinbar deplatziert auf einer Baustelle steht und sich dennoch stimmig ins Gesamtbild einfügt. In der aktuellen Ausstellung 'Malta als Metapher' zeigt der Kunstverein Bochumer Kulturrat Fotomontagen, Fotografien und eine Video­Installation der Künstlerin Myriam Thyes, die der Psychologie und Identität des Inselstaates Malta nachspüren. Die Schweizerin spielt in ihren Fotografien mit historischen und gegenwärtigen Symbolen der südeuropäischen Mittelmeer-Republik und lässt sie so zur Metapher für das historische Europa und sein heutiges Selbstempfinden werden. Bau-Boom, Flüchtlingscamps und tief verwurzelter Katholizismus - als Myriam Thyes 2006 auf Einladung eines Künstlerfreundes zum ersten Mal Malta bereist, lassen sie die dort erlebten Kontraste nicht mehr los: "Während Spekulanten Hotels und Ferienwohnungen hochziehen, leben afrikanische Flüchtlinge in Abrissgebäuden und Zeltlagern." Und so werden Flüchtlingscamps und Wehranlagen, Kreuzfahrtschiffe und Flüchtlingsboote in Thyes' Bildern zu Symbolen der "Festung Europa", dessen Wehrhaftigkeit und historisches Selbstverständnis sie metaphorisch abzubilden versucht: "Meine Bilder kreisen stets um gesellschaftliche und kulturelle Symbole, um ihre Bedeutungen und deren Wandlungen", erklärt die Künstlerin. Dabei bedient sie sich der Fotomontage, indem sie bedeutsame Gegenstände der Geschichte Maltas in neue Alltagskontexte setzt. So guckt eine Statue des Apostel Paulus aus einem Hotelrohbau, und ein Flüchtlingscamp ist mit Grabplatten der Johanniter-Ritter gepflastert. Doch nur wenige der im grellen Tageslicht aufgenommenen Fotografien von Hotelburgen und Bauten demontiert Thyes bewusst, weshalb die Bilderschau zur Suche zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit wird: "Man beginnt darüber nachzudenken, was an den Bildern echt ist, so dass plötzlich die echten Dinge wie Absurditäten erscheinen."

Bis zum 16. Januar 2011 ist Myriam Thyes' Auseinandersetzung mit der Insel Malta als Metapher für Europa im Kulturrat zu sehen.

Pressemitteilung (PDF)

Video-Installation MALTA AS METAPHOR in der Ausstellung

Foto-Serie MAGNIFY MALTA

 

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