Neue Rhein-Zeitung NRZ, Emmerich, 2003, über die Animation BeziehungsMuster

Neue Rhein Zeitung NRZ, 9. Juli 2003, über Video-Installation im Kunstverein Emmerich

Geburt der Sechssterne

Die Künstlerin Myriam Thyes präsentiert ab Samstag eine faszinierende Videoinstallation und einen Querschnitt ihrer Bilder.

EMMERICH. Die Kreis Klever Kult(o)urtage werfen ihre Schatten voraus, und wenn nicht alles täuscht, werden die Videoinstallation von Myriam Thyes und die Ausstellung von Bildern der in Düsseldorf lebenden Künstlerin zu einem besonderen Highlight für alle, die der modernen Kunst zu- oder zumindest nicht völlig abgeneigt sind.

Ungewöhnliches tut sich am Ort des Geschehens, im "Haus im Park". Im oberen Stockwerk laufen gleichzeitig drei DVD-Player, die beim ersten Betrachten nur schwer greifbare Videosequenzen wahlweise an die Wand oder in die Fenster projizieren. Bedient werden die Geräte von einer ebenso ungewöhnlichen Frau, der 1963 in Luxemburg geborenen und in Zürich aufgewachsenen Myriam Thyes. Im Beisein von Werner Steinecke, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Emmericher Kunstvereins, beaufsichtigt die Künstlerin mit dem sympathischen, kaum merklichen Schweizer Akzent die Installation der Videotechnik. Zugleich erläutert sie die von ihr eigens für die Veranstaltung am kommenden Wochenende erstellte Animation "Beziehungsmuster", die in den drei zum Rhein weisenden oberen Fenstern mit einsetzender Dunkelheit bis etwa um Mitternacht oder noch länger zu sehen sein wird und die Gäste im Rheinpark verzaubern soll. Bisher habe sie ein solches Video-Triptychon nur auf Monitoren gezeigt. Mit dieser Installation betrete sie Neuland, betont Thyes. Die räumlichen Gegebenheiten im Haus im Park seien "charmant, und wenn das Wetter einigermaßen mitspielt", werde es bestimmt schön, versichert sie.

Die dreiminütige als Endlos-Band abgespielte Video-Animation thematisiert Zweierbeziehungen zwischen Frau und Mann, die gleichnamige Malerei-Serie, von der fünf Bilder im Untergeschoss zu sehen sein werden, auch die zwischen Frau und Frau. Dabei zeigt sie sowohl Gegensätze als auch Verbindendes. Die Darstellungen in dem Video sind überwiegend abstrakt-symbolhaft, mitunter aber auch beinahe figürlich. Sie verändern sich ständig, verschmelzen miteinander - wie die beiden für den Mann bzw. die Frau stehenden, mit der Spitze nach oben bzw. nach unten weisenden Dreiecke - um unmittelbar danach etwas anderes, neues zu gebären, den Sechsstern. Gerade diese geometrischen Formen und Zeichen sind Myriam Thyes besonders wichtig. Sowohl für die Video-Animation als auch in ihren Bildern hat sie bewusst alte Symbole (Kreise, Quadra­te, Dreiecke...) verwandt, die "in möglichst vielen Kulturen zu allen Zeiten vorkommen."

Bernd Finke

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